Die Posträuber
- Rufname unterstrichen, Alter zum Tatzeitpunkt -
Die Anführer:
Bruce Richard Reynolds (31)
* London 7.9.1931, 6'1'' (1,85m)
Offiziell Auto- und Antiquitätenhändler aus London. Sohn eines Gewerkschaftlers, verheiratet mit Frances Reynolds, ein Sohn (Nick). Anführer der "Southwest Gang". Unstrittig das "Superhirn" der Bande, leitete den Überfall. Entging der Festnahme über 5 Jahre lang durch Flucht über Frankreich und Mexiko, Festnahme erst am 8. November 1968 in einer gemieteten Villa in Torquay, England. Am 14. Januar 1969 zu 25 Jahren Haft verurteilt. Am 6. Juni 1978 wieder freigekommen. 1984 wegen Drogenbesitz erneut zu drei Jahren Haft verurteilt, 1985 vorzeitig entlassen. Seitdem Buchautor, Filmberater ("Buster"), Kinokritiker, "Berühmtheit". Hielt u.a. 1999 Vortrag vor Schülern des Elitegymnasiums Eton. Sein Buch "Autobiography of a Thief" erschien 1995, 2000 in Neuauflage. Auch gelegentlich TV-Gast in Deutschland, zuletzt Anfang 2007 bei "Galileo Mystery".
Douglas Gordon Goody (34)
Friseur aus Commondale, Putney. Großer, blonder Typ mit starker Ausstrahlung. Legte stets Wert auf perfektes Äußeres. Verlobt mit Patricia Cooper. Blieb jedoch Junggeselle und lebte bis zur Tat bei seiner Mutter. Galt als einer der Köpfe der Bande. In Aylesbury 1964 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Arbeitete nach seiner Entlassung (22.12.1975) zunächst in einem Möbelgeschäft, dann im Obst- und Gemüsehandel, eröffnete später eine Bar an der Costa del Sol. Von allen Verurteilten dürfte Goody sein Geld am klügsten angelegt haben (Immobilien und Diamanten).
Ronald "Buster" Edwards (32), 5'6'' (1,68m)
* London 27.1.1931
V London 29.11.1994
Clubbesitzer. Ehemaliger Boxer mit großem Freundeskreis. Anführer der Southeast Gang. Verheiratet mit June, eine Tochter (Nicolette). Entging der Fahndung lange, lebte dabei eine Weile mit Reynolds zusammen in Mexiko. Stellte sich 1966 aus Heimweh den englischen Behörden und wurde zu 15 Jahren verurteilt. Betrieb nach seiner Entlassung im April 1975 einen Blumenladen am Waterloo-Bahnhof in London. Wurde durch den Film "Buster" mit Phil Collins in seiner Rolle bekannt. 1994 erhängt in seiner verschlossenen Garage aufgefunden. Als Ursache werden finanzielle Sorgen vermutet.
Charles Frederick Wilson (31)
* 1931
V 23.4.1990 Spanien
Buchmacher und Gemüsehändler aus Clapham. Verheiratet mit Patricia, drei Töchter. In Aylesbury 1964 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Sagte während des Prozesses kaum ein Wort und erhielt in der Presse den Spitznamen "Der Schweiger". Sensationelle Flucht aus dem Winson Green Gefängnis in Birmingham am 16.8.1964. Lebte danach in der Nähe von Montreal (Kanada), wurde am 24.1.1968 festgenommen, die Fahnder kamen ihm durch einen Telefonanruf seiner Frau in England auf die Spur. Im November 1978 als letzter der Posträuber aus der Haft entlassen. Lebte danach an der Costa del Sol in Spanien, wurde dort am 23. April 1990 erschossen an seinem Swimming-Pool aufgefunden. Hinter der Tat wurde die Drogenmafia vermutet.
Die Mannschaft:
Ronald Arthur Biggs (34)
* 8.8.1929
Handwerker, Anstreicher. Brachte den pensionierten Lokführer mit ins Team. In Aylesbury 1964 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Wurde durch seine spektakuläre Flucht aus dem Gefängnis am 8. Juli 1965 und sein Jahrzehntelanges Exil in Brasilien weltberühmt. 1971 scheiterte der Versuch der englischen Behörden, ihn festzunehmen, da Biggs ein Kind (Michael) mit einer Brasilianerin gezeugt hatte, welches ihn nach brasilianischem Gesetz vor der Auslieferung bewahrte. Kehrte nach mehreren Schlaganfällen am 7. Mai 2001 nach England zurück und verbüßte seither den Rest seiner Strafe in einem Gefängnishospital. Diverse Gnadengesuche wurden von den Justizministern und einmal auch von Premierminister Tony Blair persönlich abgelehnt. Heiratete 2002 im Gefängnis die Mutter seines Sohnes. Seit 2007 kann er nicht mehr sprechen und verständigt sich schriftlich mit seiner Umgebung. Am 7. August 2009 (Stunden vor dem 46. Jahrestag des Postraubes) wurde er schließlich doch noch wegen seines schlechten Gesundheitszustandes begnadigt und aus dem Gefängnis entlassen.
Roger Cordrey (41)
Blumenhändler, Buchmacher. War der Signal-Fachmann der Bande. Ging den Fahndern als erster ins Netz, als er gemeinsam mit Boal eine Wohnung bei einer Polizistenwitwe in Bournemouth anmieten wollte. In Aylesbury 1964 zu 20 Jahren Haft verurteilt; seine Haftstrafe wurde in der Berufung auf 14 Jahre reduziert. Freilassung im April 1971. Arbeitete zunächst im Blumenladen seiner Schwester, wandte sich danach wieder dubioseren Geschäften zu.
John Thomas "Paddy" Daly (31)
Antiquitätenhändler. Schwager von Bruce Reynolds. Verheiratet mit Barbara. Wohnte luxuriös am Eaton Square. Tauchte nach dem Postraub unter, wurde aber am 3.12.1963 gefasst. Seine Fingerabdrücke waren auf einem Monopoly-Spiel in der Leatherslade-Farm, dies wurde vor Gericht jedoch nicht anerkannt und Daly am 12.2.1964 als einziger freigesprochen. Seine Mitwirkung am Postraub wurde später von anderen Posträubern bestätigt, dies kann nach Englischem Gesetz aber nicht mehr gegen ihn verwendet werden. Über seinen weiteren Verbleib ist wenig bekannt.
James Hussey (30)
Kunstmaler. In Aylesbury 1964 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Am 17.11.1975 entlassen. Heiratete zu Weihnachten desselben Jahres in Epsom. James wurde Gebrauchtwagenhändler. Im August 1989 zusammen mit Tommy Wisbey wegen Drogenhandels zu einer Gefängnisstrafe von sieben Jahren verurteilt.
Roy John James (28), 5'4'' (1,62 m)
* 30.8.1935
V 21.8.1997
Rennfahrer, Kunstschmied. Erhielt fälschlich in den Medien den Spitznamen "The Weasel". Hatte noch kurz vor dem Postraub bemerkenswerte Rennerfolge und galt als der "kommende Mann" für die Formel 1, dem jedoch die Sponsoren fehlten. In Aylesbury 1964 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Versuchte nach seiner Entlassung im August 1975, die Karriere als Rennfahrer wieder zu beleben, war jedoch zu ungeduldig und produzierte mehrere Totalschäden. Trotz einiger Erfolge (Sieg in der Ford Formel 1600 in Brands Hatch) gelang ihm das Comeback nicht mehr dauerhaft. Nahm seinen ursprünglichen Beruf als Kunstschmied wieder auf, blieb jedoch verbittert. 1993 wurde er wegen Schüssen auf seinen Schwiegervater und Angriffs auf seine Frau zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der herzkranke James starb kurz nach seiner vorzeitigen Entlassung, nachdem eine Herzoperation erfolglos geblieben war.
Robert Welch (35)
Clubbesitzer. In Aylesbury 1964 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Freilassung im Frühjahr 1976. Kehrte zu seiner Frau zurück und lebte ein normales Familienleben. Wurde aufgrund von Knieproblemen trotz mehrerer Operationen zum Behinderten. Sein Anteil der Beute wurde von seinem Vertrauensmann während der Haft größtenteils verloren.
James Edward White (43)
* London (21.2.1920), 5'10''
Cafebesitzer. Im 2. Weltkrieg Fallschirmspringer. Er hatte seinen Anteil der Beute z.T. in der Seitenwand seines Wohnwagens versteckt. Der Campingplatz lag unglücklicherweise nahe der Lichtung, auf der die Sporttasche der Fields mit Geld gefunden worden war. White blieb drei Jahre lang mit seiner Frau Sheree und seinem Sohn auf der Flucht. War drei Jahre auf der Flucht, wurde am 12.4.1966 verhaftet, zu 18 Jahren Haft verurteilt; saß bis April 1975. Nahm nach der Freilassung seinen alten Beruf als Maler und Dekorateur (andere Quellen: Dachdecker) wieder auf. Beherrschte meisterhaft die Kunst, unauffällig zu sein. Für das Fahndungsfoto (oben) verzog er absichtlich die Gesichtszüge.
Thomas William Wisbey (33)
Buchmacher. In Aylesbury 1964 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Im März 1976 freigelassen. Dürfte als einziger neben Goody einen nennenswerten Teil seiner Beute über die Haftzeit gebracht haben. Kehrte zu seiner Frau und seiner inzwischen 19-jährigen Tochter zurück und kam nach einigen Anpassungsschwierigkeiten offenbar besser zurecht. Im August 1989 mit Jim Hussey wegen Drogenhandels zu einer Gefängnisstrafe von 10 Jahren verurteilt.
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Wahrscheinlich vier weitere Personen waren am Tatort, die bis heute nicht identifiziert wurden und nur mit Decknamen bekannt sind:
- ein pensionierter Lokführer (Deckname "Peter", später als "Stan Agate" bezeichnet), dem es jedoch nicht gelang, die Lok in Gang zu setzen.
- "Frank Munroe",
- "(Big) Alf Thomas"
- (seltener) "Bill Jennings"
Nach Aussage von Bruce Reynolds Anfang 2007 ist einer der drei letzteren noch am Leben.
Der Unbeteiligte(?):
William "Bill" Boal (50)
Ingenieur aus Fulham, wurde zusammen mit Cordrey in Bournemouth festgenommen und verstrickte sich durch aggressives Verhalten rettungslos. In Aylesbury 1964 zu 24 Jahren Haft verurteilt, im Berufungsverfahren wurde die Strafe auf 14 Jahre reduziert. Die Posträuber beteuern bis heute, er sei nicht beteiligt gewesen. Boal verbrachte seine Haft in aggressiver Verbitterung, bäumte sich immer wieder wütend gegen das ihm geschehene Unrecht auf und isolierte sich von allen Mitgefangenen. Er starb nach längerer Krankheit am 25. Juni 1970 an einem Hirntumor im Gefängniskrankenhaus. Seine Frau konnte das Angebot, ihn zu Hause bis zum Tod zu pflegen, aus finanzieller Not nicht annehmen.
Die Strohmänner:
Leonard Dennis Field(31)
Seemann. Nicht verwandt mit Brian Field. Kaufte die Leatherslade Farm für 5.500 Pfund (heute ca. 110.000 €). Seine Verurteilung zu 25 Jahren beim Prozess in Aylesbury 1964 wurde im Berufungsverfahren aufgehoben, die zweite von 5 Jahren wegen "Verschwörung zur Behinderung der Justiz" blieb ebenso wie bei seinem Namensvetter Brian bestehen. Ebenso wie er wurde Leonard 1967 freigelassen.
Brian Arthur Field(29)
* 1934
V 1979
Rechtsanwalt, wickelte den Kauf der Leatherslade Farm auf den Namen seines Strohmannes Leonard Field ab. Seine deutsche Frau Karin verfasste nach dem Prozess Artikelserien in deutschen Magazinen (Stern). Von ihm stammte die Tasche, die mit Geld aus dem Überfall auf einer Lichtung gefunden wurde. Eine darin steckende Hotelrechnung aus dem Allgäu brachte die Polizei auf die Spur der Fields. Seine Verurteilung zu 25 Jahren beim Prozess in Aylesbury 1964 wurde im Berufungsverfahren aufgehoben. Die zweite Verurteilung Wegen "Verschwörung zur Behinderung der Justiz" mit 5 Jahren Haft blieb bestehen. 1967 wurde er freigelassen, änderte seinen Namen in "Brian Charbren" und verschwand. Starb am 6.9.1979 gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau Sian (26) bei einem Verkehrsunfall.
John Denby Wheater(42)
Rechtsanwalt und Chef von Brian Field. Der Weltkriegs-Veteran und Leiter einer Anwaltskanzlei geriet als Vorgesetzter von Brian Field in Verdacht, vom Postraub gewusst zu haben. Er wurde beim Prozess 1964 in Aylesbury wegen "Verschwörung zur Behinderung der Justiz" zu drei Jahren Haft verurteilt. Schon im Februar 1966 wurde er entlassen und leitete ab da eine Wäscherei in Harrogate, die seiner Familie gehörte.